Kaufnebenkosten in Österreich – womit Käufer im Budget wirklich rechnen müssen
14.01.2026

Autor/-in
Benjamin Hofmann
Kategorien
- Kauf
Wer in Österreich eine Wohnung oder ein Haus kauft, plant meist sauber rund um Kaufpreis, Eigenmittel und Kreditrate. Was in der Praxis am häufigsten unterschätzt wird, sind jedoch die Kaufnebenkosten. Diese Nebenkosten entscheiden darüber, ob die Finanzierung stressfrei durchläuft oder ob kurz vor der Abwicklung zusätzliches Kapital fehlt. Kaufnebenkosten sind mehrere Kostenblöcke, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten fällig werden und oft nicht oder nur teilweise mitfinanziert werden. In diesem Beitrag zeigen wir, welche Posten in Österreich typischerweise anfallen, welche Ausnahmen es gibt und wie Sie Ihr Budget so aufsetzen, dass es auch im Worst Case trägt.
Das Wichtigste in Kürze
- In Österreich sollten Käufer neben dem Kaufpreis realistisch mit mehreren Prozentpunkten an Kaufnebenkosten rechnen, weil Steuern, Gebühren und Abwicklungskosten zusammen eine Budgetposition bilden.
- Die grössten Hebel sind Grunderwerbsteuer, Grundbucheintragung, Maklerprovision sowie Vertrags- und Treuhandkosten.
- Unter bestimmten Voraussetzungen gibt es eine zeitlich befristete Gebührenbefreiung bei Grundbuch- und Pfandrechteintragungen, die das Budget deutlich entlasten kann.
Was zählt in Österreich zu den Kaufnebenkosten
Wenn von Kaufnebenkosten in Österreich die Rede ist, geht es um alle Kosten, die zusätzlich zum Kaufpreis anfallen, damit aus einer Einigung ein rechtlich sauber vollzogener Eigentumserwerb wird. Dazu gehören vor allem Steuern und Gebühren rund um die Eigentumsübertragung, Kosten für Vertragserrichtung und Treuhandabwicklung, gegebenenfalls die Maklerprovision sowie Aufwände im Zusammenhang mit Finanzierung, Bewertung und Absicherung. Budgetseitig ist entscheidend, dass diese Nebenkosten nicht als »Pi mal Daumen« behandelt werden, sondern als konkrete Zahlungen mit definierten Fälligkeiten. In der Praxis lässt sich gut zwischen gesetzlichen Pflichtposten und verhandelbaren Dienstleistungskosten unterscheiden. Pflichtposten sind jene Komponenten, die gesetzlich ausgelöst werden, sobald gekauft und eingetragen wird. Verhandelbar sind hingegen Teile der Kosten, die über Dienstleister entstehen – etwa wie umfangreich Anwalt oder Notar beauftragt werden oder ob und in welcher Form eine Maklerleistung vereinbart wird. Auch Finanzierungskosten hängen stark davon ab, wie die Bank das Gesamtpaket strukturiert und welche Sicherheiten im Rahmen der Kreditabwicklung notwendig sind.
Grundbuchseintragungsgebühr und Pfandrecht: Gebühren mit grossem Budgeteffekt
Die Eintragung ins Grundbuch ist in Österreich der formale Schritt, der aus »gekauft« tatsächlich »Eigentum« macht. In diesem Zusammenhang fallen Gebühren an, die sich je nach Konstellation deutlich im Budget bemerkbar machen können. Wenn zusätzlich eine Finanzierung über eine Hypothek abgebildet wird, kommen weitere Gebühren rund um die Eintragung der Sicherheit dazu. Diese Positionen werden in der Planung häufig unterschätzt, weil sie weniger sichtbar sind als Makler oder Vertragserrichtung, in Summe aber spürbar ins Gewicht fallen. Gleichzeitig gibt es in Österreich bei bestimmten Wohnraumerwerben zeitweise Entlastungen bei Gebühren, wenn definierte Voraussetzungen erfüllt sind. Entscheidend sind dabei typischerweise die Nutzung als Hauptwohnsitz, formale Fristen im Ablauf und bestimmte Grenzen in der Anwendbarkeit. Für Käuferinnen und Käufer ist das strategisch relevant, weil es das Budget entlasten kann – aber nur dann, wenn die Abwicklung von Beginn weg darauf ausgerichtet ist. Praktisch heisst das: früh prüfen, ob die Voraussetzungen passen, und die Prozessschritte so planen, dass keine Fristen verpasst werden.
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Finanzierungskosten: der stille Nebenkosten-Treiber
Viele Käuferinnen und Käufer denken bei Nebenkosten primär an Steuern und Grundbuch. In der Realität kommen jedoch oft finanzierungsnahe Kosten hinzu. Dazu zählen beispielsweise Aufwände rund um Bewertung oder Schätzung, bankseitige Bearbeitungslogiken, Kosten für die Sicherheitenbestellung sowie Auslagen im Rahmen der Abwicklung. Auch Versicherungen, die im Finanzierungskontext verlangt oder empfohlen werden, gehören in die Gesamtbetrachtung – selbst wenn sie nicht am Tag der Kaufvertragsunterzeichnung fällig sind. Budgettechnisch ist entscheidend, diese Positionen nicht in der Rate zu verstecken. Einmalige Finanzierungskosten sind Liquiditätsabflüsse rund um den Kaufzeitpunkt. Wer sie unterschätzt, riskiert, dass zwar die Kreditentscheidung positiv ist, aber die Abwicklung an Eigenmittel- und Nebenkostennachweisen ins Stocken gerät. Professionell kalkuliert heisst deshalb: neben dem Eigenkapital für den Kaufpreis auch ein realistisches Nebenkosten-Polster einplanen.
Praxislogik: so bauen Käufer ein belastbares Nebenkosten-Budget
Ein funktionierendes Nebenkostenbudget basiert auf drei Prinzipien: erstens alle Pflichtposten früh als Fixwerte erfassen, zweitens verhandelbare Posten als Szenarien rechnen, drittens Liquidität und Timing planen – nicht nur die Gesamtsumme. Denn selbst wenn die Gesamtkosten im Rahmen sind, kann der Zahlungszeitpunkt kritisch sein. Manche Beträge werden bei Vertragserrichtung oder Treuhand fällig, andere im Zuge von Eintragungsschritten oder der Kreditabwicklung. In der Praxis zahlt es sich aus, nicht nur prozentual zu schätzen, sondern den Ablauf abzubilden: Welche Zahlungen fallen in welcher Phase an und welche Belege verlangt die Bank wann. Wer diese Timeline sauber hat, kann schneller und verbindlicher zusagen, wirkt transaktionssicher und erhöht die Abschlusswahrscheinlichkeit – besonders in Märkten, in denen Verkäuferinnen, Verkäufer und Makler Klarheit und Geschwindigkeit bevorzugen.

Häufige Budgetfehler, die Käufer teuer zu stehen kommen
Ein klassischer Fehler ist, Nebenkosten als Reserve zu behandeln, die man im Zweifel aus dem laufenden Cashflow bezahlt. Das funktioniert selten, weil die Abwicklung gebündelt ist und mehrere Zahlungen in kurzer Zeit zusammenfallen. Ein weiterer Fehler ist die Vermischung von Modernisierungskosten mit formalen Nebenkosten. Renovierung, Möbel, Übersiedlung oder sofortige Anpassungen sind oft real, aber sie sind nicht Teil der eigentlichen Kaufnebenkosten – sie beanspruchen jedoch dieselbe Liquidität und müssen deshalb separat mitgeplant werden.
Ebenso kritisch ist eine zu optimistische Annahme bei verhandelbaren Posten. Ja, Honorare und Provisionen können in gewissen Fällen verhandelt werden, aber nicht immer und nicht im letzten Moment. Ein belastbares Budget arbeitet daher nicht nur mit Best Case, sondern enthält eine Absicherungslogik, damit die Transaktion auch dann steht, wenn einzelne Posten am marktüblichen Niveau bleiben.
Fazit: Wer die Nebenkosten sauber kalkuliert, kauft entspannter
Beim Immobilienkauf in Österreich entscheidet nicht nur der Kaufpreis, sondern die Summe aus Kaufpreis plus Nebenkosten. Steuern, Gebühren, Vertragserrichtung, mögliche Maklerkosten und finanzierungsnahe Aufwände sind die grossen Blöcke, die Käuferinnen und Käufer realistisch einpreisen müssen. Wer sein Budget als Gesamtprojekt führt – mit Fixwerten, Szenarien und klarer Zahlungslogik – reduziert Abwicklungsrisiken, erhöht die Abschlusswahrscheinlichkeit und bleibt im Preisgespräch handlungsfähig. Gleichzeitig schaffen Sie gegenüber Bank, Verkäuferin oder Verkäufer und allen Beteiligten Vertrauen, weil Sie nicht nur wollen, sondern auch belastbar nachweisen können.
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